23.08.16

Du immer mit deinem Kommunismus

In Diskussionen über gesellschaftliche Themen sind die politischen Lager schnell eingeteilt. Die anderen™ sind die, die Recht haben und dann bin da noch ich. Die Naive, an irgendwas Besseres Glaubende. Etwas, das von vornherein so absurd ist, dass kein logisches Argument es je belegen könnte.
Und damit ist jede Diskussion meist schon im Keim erstickt, nämlich mit Belächeln und Abtun, denn das kann die Demokratie wirklich großartig.

Die Gegenfrage, was das bestehende System denn so zu bieten hat, stellt sich mir dabei jedes Mal. Ausgeknockt wird sie natürlich direkt: Grundsätzlich kann die Gesellschaft, in der wir uns bewegen, doch nicht falsch sein, denn sie funktioniert doch. Irgendwie. Und wir sind doch frei und können alles schaffen. Eigentlich.
Irgendwem geht es schließlich auch gut und anderen geht es sowieso viel schlechter und wir könnten doch zufrieden sein mit dem, was wir haben. Bloß nicht so undankbar sein fürs Vollzeithackeln, während dann doch nicht mehr als die bezahlte Miete und andere Lebenskosten dabei rumkommen, aber hey, es kann halt nicht jede*r jeden Tag essen, was ihm*r schmeckt. Wo kämen wir da nur hin.

Wie soll man beweisen, dass das Bestehende beschissen ist und dass es besser geht, wenn es das, was du dir vorstellst, noch nie gab?
Warum muss ich einen 100-prozentig laufenden Masterplan vorstellen, wenn wir uns in einer Gesellschaft befinden, die eben auch nicht tadellos läuft?
Wie soll ich versprechen, dass das, was ich mir vorstelle, alles für alle verbessert, wenn die Idee allein schon nur auf Entsetzen trifft?
Wieso muss es alles schon mal gegeben haben, um zu funktionieren?
Warum können wir nicht darüber reden, dass es uns schlecht geht statt uns gegenseitig vorzumachen, dass alles kein Problem ist, während wir von Monat zu Monat strugglen?
Wieso muss da immer diese Obrigkeit sein, die alles abnickt, bevor wir einfach mal was versuchen?

Ihr immer mit eurer abgestumpften Demokratie…

09.05.16

Kunst aus Farbstoff und Zucker

Galaxy Sweets sind so ziemlich das Spannendste, was ich bisher an Food Art entdeckt habe. Und mal abgesehen davon, dass Kuchen und Kekse sowieso nie verkehrt sind, habe ich jetzt richtig Bock auf diesen schwarzen Berg aus Zucker!




16.07.15

„Deshalb möchte ich sie trotzdem einmal streicheln.“

Angela Merkel fasst kurz zusammen, wie wie viel Politik und Menschlichkeit™ miteinander zu tun haben.



Sie erzählt von manchmal leider harter Politik, dass nicht alle einfach herkommen dürften und dass Entscheidungen zur Abschiebung schneller vom Tisch gehen müssten. Wenig überraschend fängt Reem daraufhin an zu weinen.
Sofort sieht man, wie in Merkels Kopf der Kampf zwischen „Ich find Abschiebung halt super, vor allem für meinen Geldbeutel“ und „Ich darf jetzt nicht so emotionslos aussehen, wie ich bin“ losgeht und sie entscheidet sich für die Scham erregendste Geste einer gespielten Fürsorge, nämlich Reem zu tätscheln, als wollte sie ihr Bestes und um sie zu loben für ihren überaus mutigen Redebeitrag, der nicht „mutig“ sein müsste, wenn Menschen nicht in deutsch oder möglichst deutsch und irgendwie verwertbar eingeteilt würden.
Die umsitzenden Gesichter und der Kommentar des Moderators fassen die Arroganz dieses Dialoges und die gesamte Doppelmoral der angeblichen Fürsorge des Staates ganz gut zusammen. Ein Appell an das scheinbar empathische Ohr der Nation, der milde-herablassend in die Gesamtmenge „Asylanten“ zurückgedrängt wird, damit sich Merkel nicht ernsthaft mit individuellen Lebensrealitäten befassen muss.

„Das lässige Streicheln über Kinderhaar und Tierfell heißt: die Hand hier kann vernichten. Sie tätschelt zärtlich das eine Opfer, bevor sie das andere niederschlägt.“
-  Max Horkheimer, Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung, S. 269 f.

31.01.15

Everybody Down

Der letzte Post ist ein paar Monate her, aber ich wollte heute mal wieder einige Buchstaben zusammenwerfen. Viele werden es vermutlich nicht, ich will euch nur ein wenig Musik unter die Nase halten, die ich gerade regelmäßig einatme.
Es geht um Kate Tempest, aufgewachsen in London und gesegnet mit Gefühl für Rhythmus und Sprache. Meistens packt sie ihre Reime auf abgefahrene Beats, Theater kann sie auch und ihr englischer Akzent macht mich sehr glücklich.

Auf Soundcloud gibt es mehrere Songs als Albumversion, YouTube spuckt diverse Live-Auftritte aus, wobei ich die Soundcloud-Auswahl lieber mag – die Beats sind zahlreicher und die Songauswahl besser. Und „Lonely Daze“ war der erste Track, den ich kannte und deswegen auch am besten finde.


Im April betritt sie die Bühnen in Berlin und Köln und na ja, vielleicht muss ich da unbedingt hin. Bis dahin werde ich meine Begeisterung fleißig teilen.